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Ludwig-Hoffmann-Grundschule
Bajiquan (八極拳)
Sportart:
Kampfsport (China)
Bajiquan (八極拳) ist eine traditionelle, hochexplosive chinesische Kampfkunst aus der Provinz Hebei. Bekannt für extreme Nahkampfdistanzen, nutzt der Stil stampfende Tritte, abrupte Richtungswechsel und die sogenannte Fajin-Kraft, um die gebündelte Energie des gesamten Körpers auf den Gegner zu übertragen.
Kernmerkmale und Philosophie
Der Name wird meist mit „Faust der acht Extreme“ übersetzt. Das System konzentriert sich darauf, die Distanz zum Gegner zu überbrücken und Angriffe in kürzester Zeit mit Schlägen, Ellbogen, Schultern und Hüften zu neutralisieren. Es gilt als kompromisslos und wurde historisch oft als Nahkampfsystem für Leibwächter und das Militär genutzt.
Explosive Kraftentfaltung:
Die sogenannte Fajin-Technik ist das Markenzeichen des Stils. Die Kraft wird nicht aus der reinen Muskelkraft generiert, sondern durch die Koordination von Atmung, Hüfte und Beinarbeit.
Nahkampf:
Bajiquan meidet lange, tänzelnde Distanzen. Stattdessen wird der Raum mit kraftvollem Stampfen („Bärenpranke“) geschlossen, um den Gegner direkt zu stören und zu Fall zu bringen.
Partnerstile:
Häufig wird Bajiquan mit Piguazhang (einem Stil mit weiten, kreisenden Bewegungen) kombiniert, da dies die kurzen und direkten Techniken ideal ergänzt.
Ursprung des Stils geht auf das 16. Jahrhundert zurück und ist stark mit der chinesisch-muslimischen Gemeinschaft (der Hui) in Nordchina verbunden. Ein zentraler Name in der Entwicklung des Stils ist Wu Zhong, der im 18. Jahrhundert in der Provinz Hebei lebte und den Stil dort stark prägte. Heute ist Bajiquan nicht nur in China weit verbreitet, sondern durch bekannte Medien (wie der Videospielreihe Tekken) auch global einem breiten Publikum ein Begriff.
Beim Training und der Anwendung von Bajiquan müssen aufgrund seiner historischen Entwicklung als kompromissloses Leibwächter-System und seiner enormen Zerstörungskraft spezifische Faktoren beachtet werden. Direkte, reine Bajiquan-Vollkontakt-Wettkämpfe existieren aus Sicherheitsgründen nicht, jedoch misst sich der Stil intensiv in zwei übergeordneten Systemen: dem Formenwettkampf (Taolu) und dem chinesischen Kickboxen (Sanda).
Was gilt es beim Bajiquan zu beachten
Aufgrund der extremen Natur des Stils steht beim Training die Sicherheit und die richtige Körpermechanik im Vordergrund.
Verletzungsrisiko minimieren:
Bajiquan nutzt tödliche und verletzungsintensive Nahkampftechniken wie Ellbogen- und Kniestöße zum Kopf sowie Rammstöße gegen die Brust (Tieshankao). Im Sparring erfordert dies extreme Selbstbeherrschung und schwere Schutzkleidung.
Gelenkschonung beim Stampfen (Zhenjiao):
Die explosive Kraftabgabe wird oft durch ein hartes Aufstampfen der Füße verstärkt. Wer hier die falsche Technik nutzt oder auf zu hartem Boden (wie Beton) trainiert, riskiert schwere Knie-, Hüft- und Knöchelschäden.
Hoher Anspruch an die Fitness:
Der Stil verlangt tiefe, breite Stellungen und eine explosive Ganzkörperkoordination (Fa Jin). Anfänger müssen zuerst Sehnen, Muskeln und Knochen durch Abhärtung und Grundlagenarbeit stärken.
Verantwortung und Mentalität:
Traditionelle Meister betonen, dass Bajiquan wegen seiner Gefährlichkeit nur an Personen mit emotionaler Reife und ohne Aggressionen weitergegeben werden sollte.
Welche Wettkämpfe gibt es
Da die originalen Techniken (wie das Brechen von Gelenken oder gezielte Kehlkopfschläge) für den modernen Sport zu gefährlich sind, teilt sich die Wettkampfwelt in zwei Bereiche.
1. Formenwettkämpfe (Taolu):
In nationalen und internationalen Wushu-Meisterschaften (bis hin zu den offiziellen Weltmeisterschaften der International Wushu Federation (IWUF)) wird Bajiquan als traditionelle Form (Taolu) ausgetragen.
Bewertung:
Kampfrichter bewerten die Exaktheit der Bewegungen, die Tiefe der Stände, die hörbare Dynamik des Stampfens und die sichtbare Demonstration der explosiven Kraft (Fa Jin).
2. Das Sanda-System (Vollkontakt)
Wenn Bajiquan-Praktizierende kämpfen wollen, treten sie im Sanda (auch Sanshou genannt) an. Sanda ist der offizielle Vollkontakt-Kampfsport des chinesischen Wushu.
Die Brücke zum Kampf:
Sanda erlaubt Schläge, Tritte, Würfe und Feger. Bajiquan-Kämpfer sind hier besonders für ihre Fähigkeiten bekannt, die Distanz blitzschnell zu überwinden, Schläge abzuwehren und den Gegner direkt zu Boden zu werfen oder zu fegen.
Einschränkungen:
Gefährliche Bajiquan-Techniken (wie Ellbogen- oder Kniestöße in bestimmten Amateurligen sowie Hebel) sind im sportlichen Sanda-Regelwerk untersagt oder stark eingeschränkt, um die Athleten zu schützen.
Darüber hinaus nutzen einige moderne Bajiquan-Kämpfer ihre Nehmerqualitäten und ihre kompakte Deckungsarbeit erfolgreich beim Übergang in allgemeine Mixed Martial Arts (MMA)-Turniere.